Wildnis-Blog

Was ist Wildnis?
​Wo gibt es noch echte Wildnis? Und was heißt eigentlich "echt"? Also bedeutet echte Wildnis gleich von Menschen unberührte Natur? Meilenweite Einsamkeit? Ja sicher, das auch. Letztendlich ist Wildnis nicht unbedingt ein Ort. Es sind Handlungen. Es bedeutet einen Unterschlupf zu bauen, um geschützt zu sein. Es bedeutet, ein Feuer zu entzünden, um sich zu wärmen. Es bedeutet in den Wald zu horchen, um zu verstehen. Es bedeutet durchs Unterholz zu schleichen, um zu fühlen. Und es bedeutet, in die sich ständig verändernden Flammen des Lagerfeuers zu schauen, um sich selber wieder zuhören zu können. Melanie Pohle

Natur = Ruhe?
"Das Ohr in die Stille zu neigen ist zu entdecken, wie selten sie da ist." Nan Sheperd Ist es draußen in der Natur ruhiger als in unserem Stadtleben? Oder ist unser Geist in der Natur ruhiger als in unserem Stadtleben?

Welche Ausrüstung?
Betrachte ich das eigene Schlaf-Setup nüchtern, geht es eigentlich nur um 1.) eine Isomatte, die vor Kälte von unten schützt 2.) einen Schlafsack, der die Körperwärme hält 3.) eine Plastikplane, die vor Regen und Wind schützt Dies sind eigentlich nur Hilfsmittel, um sich beim Draußenschlafen wohl zu fühlen. Nur eine Erweiterung unserer Selbst. Aber wir Menschen wären nicht wir, wenn wir diese "Erweiterung" nicht kommerzialisieren würden. Zudem ist es ja auch völlig in Ordnung, das Thema Schlafsetup als Hobby anzusehen. Welches Tarp ist am leichtesten und hat die meisten Ösen? Wie hoch ist der R-Wert meiner Isomatte? Reicht mir die Komforttemperatur meines Schlafsacks oder brauche ich noch Thermounterwäsche beim Schlafen? Mit diesen Fragen habe ich mich zu Beginn rumgequält und sie haben mich erfolgreich von der eigentlichen Erfahrung des Draußen-seins abgehalten. Artikelbeschreibungen waren mir wichtiger als mein eigenes Wohlfühl-Gefühl. Ich denke: Die beste Start-Ausrüstung ist die, die du schon im Keller liegen hat. Ist dir dein Schlafsack nicht warm genug, dann nimm eine Wolldecke dazu. Ebenso bei der Bodenisolation, da addieren sich auch die Werte. Starte mit dem, was du hast oder Freunde dir leihen können. Ein weiterer Gedanke: Wie wäre es mit gebrauchter Ausrüstung? Richtig umweltfreundlich, es gibt ne Menge davon, vor allem ehemalige Militärausrüstung. Ich danke immer noch dem niederländischen Soldaten Kamphujs, dass er seinen Schlafsack so wunderbar gepflegt hat. Ich habe lange nach dem perfekten Tarp gesucht: Jedoch sind Baumarktplanen einfach widerstandfähiger und günstiger. Mein Nachbar Holger ist ein Lebenskünstler und hat in vielen Ländern der Erde gearbeitet. In den 90er Jahren hat er mehrere Monate am Südpol gelebt. Holger brauchte dringend die richtige Ausrüstung zum (Über-)leben! Wir nicht in den Grüngebieten Mitteleuropas. Spannend ist doch, wie die Menschen vor Gore-Tex und Plastikplanen es geschafft haben, sich draußen warm und trocken zu halten!? Wenn du überlegst, recherchierst und lernst wie die indigenen Menschen der Welt sich mit Tierfellen, Feuerstellen, Ernährung und Gemeinschaft sich draußen angepasst haben, dann steigst du tiefer ein. Eine wichtige Frage stell dir gerne vorab: Wieso gehst du nach draußen und möchtest dort sein? Was ich wirklich draußen erleben will, ist der Blick von unten in die Baumwipfel und in den Himmel. Deshalb gehe ich nach draußen, um durchzuatmen und zu erleben. Wie ist es bei dir?

Was heißt eigentlich Verbindung zur Natur?
Wir Wildnispädagogen und Naturmenschen schreiben und reden von Naturverbindung. Was ist das eigentlich? Ich maße mir nicht an, die Antwort zu kennen oder ein Gefühl mit Worten beschreiben zu können. Es könnte sein: Die Natur nicht als Kulisse zum Wandern oder Paddeln zu sehen, sondern als Ort zum Leben, als Realität. (Wann fingen die Menschen an, ihr Sofa, die Städte, einen Schreibtisch als Ort zum Leben zu sehen?) Den Wert von Wasser, Wärme, Nahrung (hey, kommt aus der Natur oder?) zu erkennen. Den Wert von Leben, auch dem eigenen Leben zu spüren. Demut. Das Ich im Wir und das Wir im Ich innerhalb einer kleinen Kurs-Gemeinschaft fühlen. Du gehörst dazu spüren. Weil mir jetzt die Worte fehlen, zitiere ich lieber Nan Sheperd aus "Der lebende Berg" "Jeder der Sinne ist ein Zugang zu dem, was der Berg zu geben hat." "Und danach - aufhörend, eine Stein zu sein, um der Boden der Erde zu sein, Augen öffnend, die menschliches Bewußtsein hinter sich haben, auf das, was man so zutiefst ein Teil davon gewesen ist."
